Goliath96

Regie: Marcus Richardt – Drama, 90 min, Farbe, Deutschland, 2018

In ihrer verzweifelten Sehnsucht nach Nähe und Verständnis versucht eine alleinerziehende Mutter, wieder Kontakt zu ihrem erwachsenen Sohn zu bekommen, der sich seit zwei Jahren rigoros in seinem Zimmer abschottet. Sie ahnt nicht, dass sie dabei Gefahr läuft, ihn für immer zu verlieren …

Das Spielfilmdebüt (2018) des Regisseurs Marcus Richardt sowie des deutsch-ecuadorianischen Schauspielers Nils Rovira-Muñoz betrachtet das gespenstische Nebeneinander in der gemeinsamen Drei-Zimmer-Wohnung. Entschlossen, die unerträgliche Situation zu beenden und wieder ein unbeschwertes gemeinsames Leben zu führen, macht sich die alleinerziehende Mutter daran, die Motive für Davids verstörendes Verhalten zu ergründen. Überrascht entdeckt sie, dass er die Tür zur Außenwelt nicht komplett zugeschlagen hat. Über ein Internetforum gelingt es ihr, ohne sich zu erkennen zu geben, wieder mit ihrem Sohn in Kontakt zu treten. Nach Jahren der ständigen Konflikte finden Mutter und Sohn in der Anonymität des Internets unerwartet wieder zueinander, tauschen sich aus und entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten. Mehr und mehr kappt Kristin ihre letzten sozialen Kontakte und lebt bald nur noch für die skurrilen und nicht selten komischen täglichen Chats mit David. Euphorisch vor Glück sieht sie nicht, dass ihr Sohn beginnt, sich in sie zu verlieben … In der nicht-chronologischen Montage von Gegenwart und Vergangenheit lässt der Film das immer komplexer und absurder werdende Bild einer verstrickten Mutter-Sohn-Beziehung entstehen und zeichnet so den Versuch zweier Menschen auf, der Unerträglichkeit ihrer Einsamkeit zu entkommen.

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Marcus Richardts Film widmet sich einem Phänomen, welches die Japaner „Hikikomori“ nennen. Immer mehr Jugendliche oder junge Erwachsene reagieren auf den gesellschaftlichen Druck mit totalem Rückzug und verlassen nicht einmal mehr das heimische Zimmer, was vor allem für deren Angehörige eine enorme Belastung darstellt. Bereits Isabel Prahls Film 1000 ARTEN REGEN ZU BESCHREIBEN hat sich diesem Phänomen gewidmet, doch Marcus Richardt wählt mit GOLIATH96 einen anderen erzählerischen Ansatz.

Dabei gelingt es dem Film gut, die ganze Grundsituation aufzubauen und dem Zuschauer nach und nach das ganze Drama einer alleinstehenden Frau zu vermitteln, der nach ihrem Mann, der die Familie ohne ein Wort verließ, auch noch der eigene Sohn abhandengekommen ist. Zwei Jahre, so erfährt man später, dauert der Rückzug von David bereits an und die Auswirkungen auf das Leben seiner Mutter sind enorm: Als ihr gekündigt wird, kann sie aufgrund des damit verbundenen Ortswechsels keine neue Stelle in einer anderen Stadt annehmen, so dass aus der psychologischen Belastung zunehmend auch eine existenzielle wird. Erst die zufällige Entdeckung der Mutter, dass ihr Sohn in einem Forum für Drachenbau aktiv ist, öffnet ihr einen Zugang zu dessen Lebenswelt – die allerdings bleibt nicht ohne Folgen. Denn ohne zu wissen, wer sich in Wirklichkeit dahinter verbirgt, verliebt sich David alias Goliath96 in Cinderella97.

Die Enge der (Nicht)Beziehung zwischen Mutter und Sohn fängt die Kamera mit Gespür für klaustrophobische Räume und gedeckt-düstere Farben ein und fasst so die Grundstimmung des Films in stimmige Bilder.

Ein wenig schwieriger gestalten sich vor allem die Chat-Sequenzen zwischen Mutter und Sohn, die Teilen der Jury als nicht so gut gelungen erscheint und aus ihrer Sicht manchmal ein wenig banal anmuteten. Zudem erschienen manche Wendungen und Entwicklungen der Jury zu deutlich und gewollt, um vor allem auf psychologischer Ebene überzeugen zu können.

Dank des engagierten Spiels der beiden Hauptdarsteller*innen Katja Riemann und Nils Rovira-Munoz konnten diese Kritikpunkte nach Meinung der Jury aber ausgeglichen werden, so dass GOLIATH96 gerade ein Publikum, das noch nichts über das Phänomen der „Hikikomori“ weiß, für dieses enorm belastende Verhalten sensibilisieren und interessieren könnte.

Trailer

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Über den Film

Besetzung

FIGUR

SPRECHER

Kristin Dibelius

Katja Riemann

David Dibelius

Nils Rovira-Munoz

Fiona

Elisa Schlott

Monika Picard

Jasmin Tabatabai

Stab

Regie

Marcus Richardt

Drehbuch

Thomas Grabowsky, Marcus Richardt

Kamera

Wedigo von Schultzendorff

Kostüm

Inken Gusner

Szenenbild

Daniela Herzberg

Maske

Daniel Schröder

Casting

Uwe Bünker

Produktionsleitung

Thomas Schnatmeyer

Produktionsassistenz

Nora Lemke

Regieassistent

Sven Bunge

Script Supervisor

Valerie Prause

Produktionsfirma

Skalar Film GmbH

Koproduzenten

Arte & rbb, Sebastian Grobler Film- und Fernsehproduktion, Dr. Bernhard Steyer

Originalsprache

Deutsch

Kinostart

18.04.2019

Galerie

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